Gamers Nexus hat ein mehr als zweistündiges Video über Datenschutz bei LG‑Fernsehern veröffentlicht, und schnell sorgte es für großes Aufsehen. Das Video erzielte Millionen Aufrufe, und die Macher zeigten, wie viele Informationen ein modernes Smart‑TV verarbeiten kann. Dabei geht es nicht nur um das, was wir sehen. Im Beitrag finden sich drei Hauptthemen: das Scannen des Heimnetzwerks, das ACR‑System zur Analyse der angesehenen Inhalte und die Funktionsweise des Mikrofons, auch wenn der Fernseher ausgeschaltet zu sein scheint. LG hat bereits auf die Vorwürfe reagiert: Einiges bestätigte das Unternehmen, einiges erklärte es auf seine Weise, und mit anderem stimmt es schlichtweg nicht überein.
Der Fernseher blickt ins Heimnetzwerk
Eine der interessantesten Stellen des Videos betrifft das, was der Fernseher nach dem Verbinden mit dem WLAN macht. Der YouTuber zeigte, dass LG das lokale Netzwerk scannen und andere darin befindliche Geräte erkennen kann. Smartphones, Tablets, Drucker oder andere Geräte können so vom Fernseher erkannt werden. LG bestreitet nicht, dass eine solche Funktion existiert. Der Hersteller erklärt, dass sie unter anderem zum Erkennen von Geräten, zum Teilen von Inhalten und für Smart‑Home‑Funktionen benötigt wird. Und tatsächlich ist das reine Scannen des Netzwerks nicht ungewöhnlich. Interessant wird es erst, wenn man das mit den anderen Daten in Zusammenhang bringt, die der Fernseher sammeln kann.
ACR, also der Fernseher weiß, was du ansiehst
Gamers Nexus widmet ACR, also Automatic Content Recognition, ebenfalls viel Raum. In der Praxis handelt es sich um ein System, das die angezeigten Inhalte erkennt. Wichtig ist, dass es sich nicht unbedingt um Material handeln muss, das direkt aus einer App im Fernseher abgespielt wird. ACR kann auch dann arbeiten, wenn das Bild über HDMI zum Fernseher gelangt. Gerade durch solche Lösungen kann der Hersteller nicht nur wissen, welche Apps wir nutzen, sondern auch, welche Inhalte auf dem Bildschirm erscheinen. Die Daten können später für Empfehlungen oder die Personalisierung von Werbung verwendet werden. Hier ist jedoch ein wichtiger Vorbehalt anzumerken. ACR ist keine Erfindung von LG und wird auch nicht ausschließlich von diesem Hersteller eingesetzt. FlatpanelsHD oder sogar RTINGS erinnern daran, dass ähnliche Lösungen seit Jahren auch in Fernsehern anderer Marken im Einsatz sind. LG betont zusätzlich, dass die Nutzung von ACR für Werbezwecke die Zustimmung des Nutzers erfordert.
Das Interessanteste an dem ganzen Beitrag von Gamers Nexus ist wohl nicht die Tatsache, dass der Fernseher Daten sammelt, denn ACR oder Werbung in Smart-TVs sind seit Jahren bekannt. Viel eindrucksvoller ist das Ausmaß dessen, wie viel ein moderner Fernseher tatsächlich über seinen Nutzer wissen kann. Sichtbares Heimnetzwerk, Geräte darin, angesehene Inhalte, für Werbung genutzte Daten, Sprachsteuerung — wenn man das alles zusammennimmt, ähnelt ein Smart-TV eher einem Computer als einem gewöhnlichen Bildschirm. Und genau deshalb hat der Beitrag von Gamers Nexus so große Resonanz ausgelöst. Er enthüllt keine einzelne magische „Spionage“-Funktion, zeigt aber sehr deutlich, wie viele Systeme heute im Hintergrund des Fernsehers laufen und wie selten der durchschnittliche Nutzer überhaupt in die Datenschutzeinstellungen schaut.
Quellen: Gamers Nexus, RTINGS, FlatpanelsHD, HDTVTest, Tom's Hardware.
Redakcja Choose TV












