Künstliche Intelligenz wird häufig als Technologie dargestellt, die zwischenmenschliche Beziehungen einschränkt und echte Interaktionen ersetzt. Das gilt auch für Online-Spiele, in denen viele Spieler befürchten, dass Bots dem Spiel seinen sozialen Charakter nehmen. Eine neue Studie zu PUBG: Battlegrounds zeigt jedoch ein völlig anderes Bild. Es zeigt sich, dass entsprechend konzipierte, von künstlicher Intelligenz gesteuerte Gegner das Selbstvertrauen der Spieler stärken und sie zu häufigerem Zusammenarbeiten mit anderen ermutigen können. Die Effekte waren so deutlich, dass sie Wissenschaftler, die den Einfluss künstlicher Intelligenz auf das Nutzerverhalten analysieren, interessiert haben. Die Ergebnisse der Studie werden in der Zeitschrift Information Systems Research veröffentlicht.
KI-Bots halfen Anfängern, sich in PUBG zurechtzufinden
PUBG: Battlegrounds ist seit seiner Veröffentlichung 2017 zu einem der beliebtesten Online‑Spiele der Welt geworden. Mit der Zeit trat jedoch ein Problem auf, das den Entwicklern von Mehrspieler‑Titeln gut bekannt ist. Erfahrene Spieler erreichten ein so hohes Fähigkeitsniveau, dass neue Nutzer bereits zu Beginn einer Runde regelmäßig eliminiert wurden. Solche Situationen entmutigten Neulinge, weiterzuspielen, und erschwerten das Wachstum der Spielgemeinschaft. Als Reaktion auf dieses Problem führte das Studio Krafton 2020 in ausgewählten Matches Gegner ein, die von künstlicher Intelligenz gesteuert wurden. Die Bots wurden bewusst so programmiert, dass ihr Niveau etwas unter dem eines durchschnittlichen Spielers liegt. Dadurch konnten neue Teilnehmende länger im Match bleiben, Eliminierungen erzielen und öfter Erfolge feiern. Interessanterweise wussten die Spieler von der Präsenz der Bots, konnten aber nicht erkennen, welche Gegner von KI gesteuert wurden. Das sorgte dafür, dass jeder Sieg echt und befriedigend wirkte. Nach Ansicht von Forschern hatte gerade dieses Element großen Einfluss auf das gestiegene Selbstvertrauen der Anfänger.
Mehr Selbstvertrauen führte zu häufigerem Zusammenspiel
Eine Analyse des Spielerverhaltens zeigte, dass die Spieler nach der Einführung von KI-Gegnern in PUBG etwa 50 Prozent mehr Zeit im Spiel verbrachten als zuvor. Auch die Anzahl gespielter Matches stieg. Am interessantesten waren jedoch die Veränderungen in der Zusammenarbeit der Spieler. Die Forscher verzeichneten einen Anstieg der Teamspiele um etwa 28 Prozent. Das bedeutet, dass Personen, die dank Bots an Selbstvertrauen gewonnen hatten, deutlich eher Freunde hinzuzogen und gemeinsames Spielen dem Alleinspielen vorzogen. Die Wissenschaftler erklären dieses Phänomen mit einer Zunahme des Selbstwirksamkeitsgefühls, also der Überzeugung, Herausforderungen bewältigen zu können. Die Studienautoren sind der Ansicht, dass ein ähnlicher Mechanismus auch außerhalb der Spielewelt genutzt werden kann. Künstliche Intelligenz könnte neuen Mitarbeitern beim Onboarding helfen, das Erlernen neuer Programme erleichtern oder Personen unterstützen, neue Kompetenzen zu erwerben. Anstatt Menschen zu ersetzen, könnte KI die Rolle eines Trainingspartners übernehmen, der Nutzer auf anspruchsvollere Aufgaben vorbereitet. Die Studie zeigt somit, dass bei angemessener Nutzung Künstliche Intelligenz die Zusammenarbeit zwischen Menschen stärken kann, statt sie einzuschränken.
Eine neue Studie zu PUBG: Battlegrounds zeigt, dass Künstliche Intelligenz nicht zwangsläufig die Beziehungen zwischen Spielern schwächen muss. Gut gestaltete Bots stärkten das Selbstvertrauen von Anfängern, verlängerten die Spielzeit und ermutigten sie, häufiger mit anderen zusammenzuarbeiten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass KI ein wirkungsvolles Werkzeug zur Förderung von Fähigkeiten sowohl in Spielen als auch in vielen anderen Bereichen werden kann.
Quelle: digitaltrends
Redakcja Choose TV












