Disney+ könnte erneut die Möglichkeit verlieren, Nutzern in Europa 4K-Inhalte anzubieten. Die Plattform begann im August, auf einigen Geräten und bei ausgewählten Produktionen die 4K-Auflösung wiederherzustellen, indem sie den Codec VP9 verwendete. Diese Lösung sollte ein Weg sein, den anhaltenden Patentstreit um HDR- und HEVC-Technologien zu umgehen. InterDigital behauptet jedoch, dass auch der Einsatz von VP9 ihre patentierten Lösungen verletzt. Wenn Disney erneut vor dem europäischen Patentgericht verliert, könnten sich die Probleme mit der Bildqualität weiter verschärfen.
Disney+ kämpft seit Monaten um 4K und HDR
Die Probleme von Disney+ in Europa begannen im Februar, als Dolby Vision und 3D von der Plattform verschwanden. Teile der Formate kehrten Mitte März zurück, doch im Juni wurden sie in vielen Ländern der Europäischen Union erneut entfernt. Im Juli betrafen die Einschränkungen auch 4K und HDR10. Verantwortlich ist ein andauernder Patentstreit zwischen Disney und der Firma InterDigital. Der Konflikt betrifft Patente, unter anderem im Zusammenhang mit HDR-Technologien sowie dem Codec HEVC. InterDigital konnte in dieser Angelegenheit bereits vor dem Europäischen Einheitlichen Patentgericht (UPC) und vor einem Gericht in Brasilien gewinnen. Disney suchte deshalb nach Möglichkeiten, weiterhin Bildinhalte in hoher Qualität zu liefern, ohne Technologien zu nutzen, die vom Streit betroffen sind. Eine Idee war der Wechsel von HEVC zu VP9. Im August begann die Plattform dadurch, 4K auf ausgewählten Geräten sowie bei einigen Filmen und Serien wieder bereitzustellen. Das bedeutete jedoch nicht die Rückkehr zur vollen Qualität, da HDR weiterhin nicht verfügbar war. Um VP9 zu nutzen, muss Disney die Videoinhalte erneut in diesem Format kodieren. Es sieht jedoch so aus, dass selbst diese Änderung die Probleme der Plattform nicht unbedingt beenden muss. InterDigital hat seine Klage gegen Disney nämlich um die VP9-Technologie erweitert.
InterDigital behauptet, dass VP9 ebenfalls gegen seine Patente verstößt
InterDigital wirft Disney vor, VP9 als Mittel zu nutzen, um einen früheren Patentstreit zu umgehen. Das Unternehmen erklärt, die mit der VP9-Codierung verbundene Technologie nutze ebenfalls seine patentierten Verfahren. In der Praxis bedeutet das, dass ein Wechsel des Codecs von HEVC zu VP9 möglicherweise nicht ausreicht, um 4K in der europäischen Version von Disney+ beizubehalten. InterDigital betont, dass es schon vor einigen Jahren versucht habe, mit Disney eine Lizenzvereinbarung abzuschließen. Laut dem Unternehmen führten die Gespräche jedoch zu keiner Einigung, weshalb die Angelegenheit vor Gericht landete. Ein ähnliches Problem vermied Amazon Prime Video, das mit InterDigital eine Patentlizenzvereinbarung geschlossen hat. Disney steht damit vor der Wahl zwischen einem weiteren Rechtsstreit und der Suche nach einer anderen Technologie, die die Wiedergabe von hochqualitativem Bildmaterial ermöglicht. VP9 kann 4K übertragen, wie unter anderem YouTube zeigt, der Codec selbst bietet jedoch keine HDR-Unterstützung. Disney hatte zuvor angekündigt, HDR zu einem späteren Zeitpunkt wiederherzustellen. Es ist jedoch unklar, wie die Plattform das angesichts der derzeitigen Beschränkungen umsetzen will. Eine Möglichkeit wäre der Umstieg auf den neueren Codec AV1, der sowohl 4K als auch HDR unterstützt. Das Problem ist, dass AV1 noch nicht flächendeckend von Smart-TVs und Streaming-Geräten unterstützt wird. Sollte Disney den Rechtsstreit verlieren, könnte das Unternehmen also erneut vor dem Problem stehen, dass Technologien, die als lizenzfrei beworben werden, tatsächlich Patentrisiken bergen.
Disney+ kämpft seit einigen Monaten in Europa mit Beschränkungen der Bildqualität, die aus einem Patentstreit mit InterDigital resultieren. Die Plattform versuchte, 4K mithilfe des Codecs VP9 wiederherzustellen, doch InterDigital behauptet, auch diese Technologie verletze seine Patente. Ein weiterer möglicher Weg ist AV1, jedoch ist dessen Unterstützung in Fernsehern und Streaming-Playern noch nicht ausreichend weit verbreitet. Die Entscheidung in dem Streit könnte nicht nur für Disney+, sondern auch für die gesamte Streamingbranche von Bedeutung sein.
Quelle: flatpanelshd
Redakcja Choose TV












