Vor nicht allzu langer Zeit versicherte Apple, dass die neue Siri, die auf den Gemini-Modellen basiert, unter voller Kontrolle der Infrastruktur aus Cupertino betrieben wird. Jetzt gibt es Informationen, dass ein Teil der Verarbeitung direkt in die Rechenzentren von Google gelangen könnte. Das ist eine potenzielle Wendung in der Erzählung „Privacy-First“, die Apple zu einem Grundpfeiler seiner Marketingstrategie gemacht hat.
Siri auf Google-Servern?
Laut Berichten des Dienstes The Information soll Apple Google gebeten haben, die Möglichkeit zu prüfen, Server zu betreiben, die die zukünftige Version von Siri in der Google Cloud Infrastruktur unterstützen. Bisher hatte Apple betont, dass die Datenverarbeitung im Rahmen von Apple Intelligence lokal auf dem Gerät oder in einer Private Cloud Compute Cloud, die auf Servern mit Apple Silicon basiert, erfolgt. Jetzt zeigt sich, dass die eigenen Ressourcen möglicherweise nicht ausreichen. Interessanterweise wird laut Quellen lediglich etwa 10% der Rechenleistung des Private Cloud Compute genutzt, und einige AI-Server warten noch auf die Installation. Gleichzeitig hat Apple die ältere Infrastruktur, die auf Nvidia-Technologien basierte, zurückgezogen, was seine Bereitschaft auf den AI-Boom geschwächt haben könnte.
Warum Apple Google brauchen könnte?
Der KI-Markt hat sich in einem Tempo beschleunigt, das Apple, traditionell auf Hardware und Benutzererfahrung fokussiert, möglicherweise unterschätzt hat. Damit das neue Siri mit Chatbots und Assistenten, die auf großen Sprachmodellen basieren, konkurrieren kann, benötigt es enorme Rechenleistung. Diese haben heute in größtem Maße Cloud-Anbieter wie Google oder Amazon. Wichtig ist, dass Sundar Pichai während der Telefonkonferenz von Alphabet bestätigte, dass Google als „bevorzugter Cloud-Anbieter“ mit Apple an der Entwicklung von Apple Foundation Models auf Basis von Gemini arbeitet. Tim Cook hält hingegen öffentlich an der Position fest, dass die Benutzerdaten weiterhin auf dem Gerät und in der Private Cloud Compute verarbeitet werden.
Privatsphäre unter Druck
Die Zusammenarbeit mit Google ist an sich nichts Aussergewöhnliches, Apple nutzt seit Jahren externe Anbieter. Das Problem liegt im Image. Das Unternehmen verkauft seine Geräte als kompromisslos in Bezug auf die Privatsphäre. Wenn zumindest ein Teil der Verarbeitung von Siri in die Infrastruktur von Google gelangt, muss Apple sehr präzise erklären, wie es die Daten der Nutzer schützt und ob es die volle Kontrolle über deren Verarbeitung behält.
Gemini in Siri ist nicht nur ein technisches Update, sondern eine potenzielle Veränderung der Philosophie von Apple im Bereich KI. Wenn sich die Berichte bewahrheiten, könnte Siri in Zukunft die Rechenleistung von Google nutzen. Die eigentliche Herausforderung wird jedoch nicht die Zusammenarbeit selbst sein, sondern das Versprechen der Privatsphäre aufrechtzuerhalten, das seit Jahren das Fundament der Marke Apple bildet.
Quelle: Offizielle Mitteilungen von Apple
Katarzyna Petru












